Mit den Kartenlesegeräten der Firmen Ingenico und Verifone werden 80 % der weltweit getätigten Kartenzahlungen abgewickelt. Sie gehörten schon immer zu den Marktführern im Bereich der Kartenleser-Entwicklung und sie erweitern ständig ihr Angebot. Mittlerweile decken sie die gesamte Zahlungskette ab. Die beiden Unternehmen ähneln sich sehr, und sie sind knallharte Konkurrenten.

Da der Markt durch das Auftreten neuer Spieler in Asien und die Einführung von Chipkarten in den USA gerade neu aufgeteilt wird, bleibt abzuwarten, welcher der beiden Anbieter den Kampf um die Weltherrschaft gewinnen wird.

Ingenico und Verifone im Vergleich
Gründung 1980 1981
Sitz Paris, Frankreich San José, USA
Börsennotierung Euronext NYSE
Länder 170 150
Mitarbeiter 8000 6000
Umsatz 2017 2,5 Milliarden € 1,6 Milliarden €

Quelle: Ingenico und Verifone

Gleiche Aktivitäten, aber an unterschiedlichen Orten

Beide Unternehmen sind in den gleichen Bereichen aktiv, und das sehr stark: Einzelhandel, Gastgewerbe, Tankstellen und Verkehr. In Frankreich ist Ingenico außerdem im Gesundheitswesen gut aufgestellt, insbesondere dank der Verwaltung von Gesundheitskarten.

Für den Verbraucher ist diese Aktivität durch die Anzahl der Zahlungsterminals sichtbar, auf denen die Marke der jeweiligen Unternehmen steht. Aber dies ist nur einer der Bereiche, den die Tätigkeit von Ingenico und Verifone ausmacht. Die beiden anderen sind die Verwaltung von Finanzströmen und Distanz-Zahlungen.

Während die Aktivitäten der beiden Unternehmen ähnlich sind, kann dies für ihre geografischen Niederlassungen nicht gesagt werden. Schauen wir uns die Zahlen an:

Prozentualer Anteil des Umsatzes nach geografischen Zonen (2017):

Ingenico

Quelle: Ingenico

Verifone

Quelle: Verifone

Genaue Vergleiche werden durch die unterschiedliche geografische Verteilung erschwert, aber es ist klar, dass Verifone hauptsächlich in Nordamerika (34 % des Umsatzes) und in der Region Europa-Nahost-Afrika (39 %) vertreten ist. Der Rest verteilt sich zu etwa gleichen Teilen auf Südamerika (14 %) und Asien (13 %).

Ingenico ist in Nordamerika (10 %) und Südamerika (7 %) noch relativ schwach vertreten, aber in Afrika und Europa (34 %) sowie Asien und Nahost (22 %) gut aufgestellt. Auch in Deutschland hat Ingenico einen großen Marktanteil.

Wir werden sehen, dass diese Zahlen Anhaltspunkte für unterschiedliche Wachstumsaussichten liefern.

Die gleiche Diversifizierungs-Strategie: Zukäufe

Beide Unternehmen konnten ihre Geschäftsaktivitäten über die Entwicklung von Zahlungsterminals hinaus erweitern, insbesondere durch häufige und zahlreiche Firmenübernahmen. So wurden sie zu Schwergewichten bei mobilen Zahlungslösungen sowie Online-Zahlungen.

Übernahmen von Ingenico:

Die Zukäufe von Ingenico haben sich 2017 beschleunigt: in jenem Jahr gab es vier Übernahmen, darunter die schwedische Bambora für 1,5 Milliarden €.

Übernahmen von Verifone :

Die größten Zukäufe von Verifone gehen auf das Jahr 2006 und 2010-2011 zurück. Lipman wurde für 793 Millionen US-Dollar im Jahr 2006 erworben, Hypercom für 485 Millionen US-Dollar im Jahr 2010, Point für 820 Millionen US-Dollar und Global Bay für 485 Millionen US-Dollar, beide im Jahr 2011.

Parallele Entwicklung bei integrierten Angeboten

Wie wir gesehen haben, ist das Geschäft von Ingenico und Verifone in drei Bereiche unterteilt: Terminals und Software, Verwaltung von Finanzströmen und Distanz-Zahlungen. Diese traditionelle Darstellung nach Produktfamilien oder Dienstleistungen passt jedoch nicht mehr zur Entwicklung in der Branche.

Der Trend geht mittlerweile hin zur Vermarktung integrierter Angebote, die den gleichzeitigen Zugriff auf alle angebotenen Produkte und Dienstleistungen ermöglichen: Multi-Channel-Vertrieb (Laden, Internet, Mobil), Management der Terminal-Palette, Transaktions-Management, Kundendienst, etc.

In Deutschland zum Beispiel bietet Ingenico über die Ingenico Payment Services GmbH beziehungsweise die Marke terminaldirekt Komplettlösungen von der Bereitstellung der Kartenterminals bis zur Abwicklung der Kartenzahlungen an. Auch Verifone tritt über seine Tochterfirma InterCard als Zahlungsdienstleister mit breitgefächertem Angebot in Deutschland auf. Beide Firmen, terminaldirekt und InterCard, sind außerdem als Acquirer auf dem deutschen Markt aktiv.

Ingenico und Verifone haben sich neu organisiert, um ihr Angebot besser am Kunden auszurichten.

Verifone konzentriert sich zur Zeit auf seine Connect-Plattform für Händler und Käufer. Ingenico hat mit seiner Axium-Plattform den gleichen Ansatz verfolgt und zum besseren Verständnis das Angebot in zwei Teile aufgeteilt: Banken und Acquirer einerseits, Vertriebspartner und Online-Händler andererseits.

Die Kartenterminals der neuesten Generation, Axium (Ingenico) und Carbon (Verifone), spiegeln diese Entwicklung wider: ausgestattet mit zwei Touchscreens, von denen einer auf den Kunden und der andere auf den Verkäufer ausgerichtet ist. Sie basieren auf Android und nicht mehr auf hauseigenen Systemen, was die Hinzufügung von Softwarelösungen durch Drittanbieter erleichtert, die auf ihrem „Marktplatz“ vermarktet werden, wie z.B. Treueprogramme unter Verwendung von Gutscheinen.

Das Terminal Axium D7 von Ingenico hat zwei Bildschirme und läuft mit Android. Foto: Ingenico

Beide Unternehmen verfügen nun über ein umfassendes Angebot und begegnen sich damit auf Augenhöhe. Der Wettbewerb unter den beiden Giganten um die Weltherrschaft dürfte sich also verschärfen.

Es können noch viele Märkte auf der Welt erobert werden

Da nur 10 % des Umsatzes von Ingenico in Nordamerika erwirtschaftet wird, verfügt das französische Unternehmen theoretisch über ein hohes Wachstumspotenzial, obwohl der Umsatz in Nordamerika in jüngster Zeit insbesondere aufgrund regulatorischer Einschränkungen zurückgegangen ist. Die allgemeine Verbreitung des EMV-Systems (Chipkarten) hat Ingenico nicht so viel eingebracht wie erwartet.

Südamerika stellt für das amerikanische Unternehmen Verifone aufgrund seines Standortes logischerweise eine naheliegende Wachstums-Chance dar. Aber auch für Ingenico liegen hier Potentiale. Zwar erwirtschaftet Ingenico in Südamerika nur 7 % seines Umsatzes. In Brasilien konnten sich die Franzosen aber über ein Wachstum in Höhe von 27 % im Jahr 2017 freuen.

In Bezug auf Asien ist nicht sicher, ob Verifone in der Lage sein wird, zu Ingenico aufzuschließen. Aufgrund des Markteintritts lokaler Akteure wie Pax (gegründet in China und jetzt amerikanisch), SZZT (Shenzen, China) und Newland Payment Technology (Fuzhou, China) konnte Verifone nur um 3 % wachsen.

Man könnte auch annehmen, dass die Nähe des französischen Unternehmens Ingenico zu Afrika seine Etablierung auf diesem Kontinent im Gegensatz zu Verifone erleichtert. Letztendlich scheint Ingenico aufgrund seiner geografischen Lage mehr Entwicklungsmöglichkeiten in Afrika zu haben.

Die Zukunft von Ingenico und Verifone

Es ist schwierig, langfristige Vorhersagen zu treffen.

Die Abschaffung des POS wird nicht morgen erfolgen und beide Unternehmen haben sich im Online-Zahlungsverkehr etabliert. Die Firmen müssen sich in naher Zukunft keine Sorgen um den globalen Zahlungsmarkt machen. Zahlungen mit Kryptowährungen dürften in Schwellenländern eine wichtige Rolle spielen, wie dies bereits in Venezuela der Fall ist. Solange es keine regulatorischen Hindernisse gibt, sind Ingenico und Verifone gut positioniert, um vom Krypto-Trend zu profitieren – insbesondere seit ihrem Übergang zu Android.

Neue Marktteilnehmer aus Asien werden ihren Anteil am globalen Kuchen haben wollen.

Sie werden jedoch mit europäischen und amerikanischen Wettbewerbern rechnen müssen, die nicht so hochwertige Alternativen anbieten (wie z.B. Square oder SumUp) sowie mit zukünftigen asiatischen Riesen, die wahrscheinlich nicht auf den hinteren Plätzen verbleiben möchten.

Verifone wurde im August 2018 von Investmentfonds erworben. In einer Pressemitteilung wird versichert, dass die Dienstleistungen für den Kunden weiter verbessert werden sollen. Es ist jedoch berechtigt zu fragen, ob diese Fonds die Entwicklung des Unternehmens oder vielmehr die Ausschüttungen gegenüber den Aktionären fördern werden. Seit der Übernahme ist die Aktie nicht mehr an der New York Stock Exchange notiert.

Was Ingenico betrifft, so gab es in letzter Zeit Gerüchte über eine Übernahme durch Natexis, wie von der Finanzzeitung Les Echos berichtet wurde. Aber Ingenico weigert sich, Stellung zu nehmen. Der Aktienkurs von Ingenico erlitt an der Pariser Börse einen Einbruch, was die Besorgnis über die Verschuldung des Unternehmens und einen erwarteten Rückgang des Ebitda 2018 trotz eines höheren Umsatzwachstums widerspiegelt (siehe Pressemitteilung von Ingenico). Dieser Ergebnisrückgang, der insbesondere auf die jüngsten strategischen Akquisitionen zurückzuführen ist, lässt auf einen glücklichen Ausgang für dieses schöne französische Unternehmen hoffen.