> Kontaktloses Bezahlen > Google Pay, Apple Pay, Samsung Pay – Es gibt große Unterschiede

Google Pay, Apple Pay, Samsung Pay – Es gibt große Unterschiede

Von Leo Zübli|2018-08-02T11:42:18+00:0027. Juli 2018|Tags: , , , , |

Ende Juni 2018 ist Google Pay – vielen noch als Android Pay bekannt – in Deutschland an den Start gegangen. Im Gegensatz zu Apple Pay und Samsung Pay kooperiert Google Pay mit mehreren deutschen Banken und großen Kreditkartenfirmen in Deutschland.

Apple Pay und Samsung Pay können zwar ohne diese Kooperationen in Deutschland als Zahlungsmethode von Händlern akzeptiert werden. Allerdings müssen deren jeweilige Kunden eine ausländische Bank- oder Kreditkarte zur Zahlung hinterlegt haben, die zudem mit Apple Pay beziehungsweise Samsung Pay kompatibel sein muss.

Google Pay – Zum Zahlen reicht Bildschirm-Entsperrung

Google Pay (zuvor Android Pay) ist die mobile Zahlungs-Lösung des weltbekannten Suchmaschinen-Riesen. Neben Deutschland gibt es Google Pay schon in über 15 weiteren Ländern. Google Pay erfordert unter anderem ein Kartenterminal, das die kontaktlose Zahlungsmethode NFC (Near Field Communication) beherrscht.

Um mit Google Pay zahlen zu können, müssen Kunden zunächst eine kompatible Debit- oder Kreditkarte in der Google Pay App hinterlegen. Für die Zahlung selbst muss das Smartphone entsperrt werden und an das Kartenterminal gehalten werden. Sobald ein Häkchen auf dem Smartphone-Bildschirm erscheint, ist die Zahlung abgeschlossen. Googles Methode kommt ohne Fingerabdruck-Sensor oder Gesichtserkennung aus.

Technische Voraussetzungen für die Verwendung von Google Pay: Auf den verwendeten Smartphones oder Tablets muss das Betriebssystem Android 5.0 oder höher installiert sein. Außerdem muss das jeweilige Gerät NFC-fähig sein.

Google Pay
Neben den Banken boon., comdirect, Commerzbank und N26 kooperieren die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard mit Google Pay in Deutschland. Foto: Visa.

Apple Pay – Voraussetzungen für die Nutzung

Auch Apple hat eine eigene Zahlungsmethode: Apple Pay. In Deutschland nehmen noch keine Banken an Apple Pay teil. Dennoch kann Apple Pay in Deutschland genutzt werden, sofern man eine ausländische Debit- oder Kreditkarte hat, die Apple-Pay-tauglich ist. In circa 25 Ländern werden solche kompatiblen Karten mittlerweile ausgegeben.

Apple Pay funktioniert mit folgenden iPhones: SE, 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus, 7, 7 Plus, 8, 8 Plus und X. Außerdem kann Apple Pay mit der Apple Watch (Series 1-3) und bestimmten iPads (mini 3, mini 4, Air 2, Pro sowie iPad der 5. Generation) genutzt werden.

Weitere Voraussetzung für die Zahlungsannahme mit Apple Pay: Der Händler in Deutschland muss einen Apple-Pay-fähigen Kartenleser haben. Nach Angaben von Apple sollten alle Kartenleser, bei denen das kontaktlose Zahlen über NFC (Near Field Communication) bereits funktioniert, auch Apple Pay ohne weitere Einrichtung akzeptieren. Im Zweifel sollte man sich mit seinem Zahlungsabwickler in Verbindung setzen.

Lesen Sie auch: Funktioniert Apple Pay auch in Deutschland? – Ja, teilweise

Apple Watch: Mangels Fingerabdruck-Sensor kann es passieren, dass man zur Sicherheit einen Beleg an der Kasse unterschreiben muss, wenn man mit Apple Pay bezahlt. Foto: Apple.

Und so funktioniert Apple Pay: Nachdem man seine Kartendaten in der Wallet App gespeichert hat, kann man die erste Zahlung in Angriff nehmen. Hat der Kassierer den Betrag in die Kasse eingegeben, hält man das Gerät dicht an den Kartenleser und lässt seinen Finger auf dem Fingerabdrucksensor seines Apple-Gerätes gedrückt. Ein Piepen bestätigt, wenn die Zahlung abgeschlossen ist.

Auf dem iPhone X ist auch eine Authentifizierung über Face ID möglich. Bei der Apple Watch, die weder Face ID noch Fingerabdrucksensor hat, kann es passieren, dass man einen Beleg an der Kasse unterschreiben muss.

Samsung Pay – funktioniert auch mit Magnetstreifenlesern

Eine andere Möglichkeit für mobiles Bezahlen ist Samsung Pay. Der Service wird bereits von Banken in 20 Ländern unterstützt. In Deutschland kooperiert Samsung Pay derzeit mit keinem Kreditinstitut.

Das System von Samsung funktioniert sowohl bei Kartenlesern mit NFC-Funktion als auch bei reinen Magnetstreifenlesern, da Samsung die MST-Technik (Magnetic Secure Transmission) einsetzt. Dabei wird ein magnetisches Signal ausgesendet, welches das Durchziehen einer physischen Karte mit Magnetstreifen imitiert.

Wie bei Apple Pay muss auch bei Samsung Pay eine ausländische Bank- oder Kreditkarte zu Grunde liegen, damit es in Deutschland funktioniert. Die ausländische Karte muss außerdem mit Samsung Pay kompatibel sein.

Die Sicherheitsanforderungen von Samsung Pay sind höher, als bei Google Pay: Fingerabdruck, Iris-Scan oder Geheim-PIN stehen als Authentifizierungs-Methode zur Verfügung.

Folgende Smartphones sind mit Samsung Pay kompatibel: Galaxy S9, S9+, S8, S8+, S7, S7 edge, S6, S6 edge, S6 edge+, Note 8, A8, A6, A6+, A5 (2017), A3 (2017), A5 (2016), J7 (2017) und J5 (2017).

Bei den Smartwatches sind folgende Samsung-Pay-fähig: Gear Sport, Gear S3 Classic und Frontier.

Geräte, die nur NFC-kompatibel sind, also nicht an Magnetstreifenkartenlesern funktionieren: Galaxy S6, S6 edge, A3 (2017), J5 (2017), J7 (2017) und Gear Sport.

Für die erforderliche Installation der Samsung Pay App muss mindestens Android 6.0 Marshmallow auf den Geräten laufen.

Samsung Pay
Samsung Pay legt großen Wert auf Sicherheit: Ohne Fingerabdruck, Iris-Scan oder Geheim-PIN funktioniert keine Zahlung. Foto: Samsung.

Herausforderungen der neuen Technik

Die größte Herausforderung für die Anbieter sind wohl nicht die Entwicklung der Technologie oder die Gewinnung von Kunden und Nutzern, sondern die Aspekte Sicherheit und Kooperation mit Banken und Kreditkarten-Anbietern. Viele Experten bezweifeln die Qualität der Sicherheitsmaßnahmen im Bereich mobiles Bezahlen, und manche Finanzinstitute haben bereits eigene Systeme entwickelt und kaum Interesse daran, mit der Konkurrenz zu kooperieren.

Sollte man in kontaktlose Zahlungslösungen investieren?

Es gibt bereits zahlreiche Kartenterminals auf dem deutschen Markt, die mit Google Pay, Apple Pay und Samsung Pay kompatibel sind. Dazu gehören zum Beispiel die meisten neueren Geräte des Geräte-Herstellers Ingenico; diese können unter anderem beim Zahlungsanbieter Elavon gemietet werden.

Auch mit den von Concardis angebotenen Kartenlesern können Händler Zahlungen abwickeln, die durch die Verwendung von Google Pay, Apple Pay oder Samsung Pay getätigt wurden.

Der Zahlungsanbieter Telecash (First Data) hat einige Verifone-Karten-Terminals im Programm, bei denen Google-, Apple- und Samsung-Pay funktionieren.

Nicht zur Miete, sondern nur zum Kauf bieten die Zahlungsdienstleister SumUp and iZettle Kartenleser an, durch die Zahlungen mit Google Pay, Apple Pay und Samsung Pay abgewickelt werden können.

Auf Grund der Kooperation von Google Pay mit deutschen Banken und Kreditkartenfirmen in Deutschland seit Juni 2018 wird das kontaktlose Bezahlen an deutschen Kartenterminals weitere Verbreitung finden. Wann Apple Pay und Samsung Pay auf dem deutschen Markt vorrücken werden, bleibt abzuwarten.

Händler und Freiberufler müssen jetzt nicht panisch in ein neues Kartenlesegerät investieren. Ohnehin sind viele Lesegeräte bereits NFC-fähig und damit hardware-seitig in der Lage, Zahlungen durch Google Pay, Apple Pay oder Samsung Pay durchzuführen.

Wenn Sie noch kein Lesegerät besitzen und gerade über eine Erstanschaffung nachdenken, sollten Sie sich für ein Modell entscheiden, das NFC-fähig ist. Außerdem sollten Sie sich einen Zahlungsanbieter aussuchen, der auch Zahlungen mit Google Pay, Apple Pay und Samsung Pay abwickelt. So sind Sie in jedem Fall für die Zukunft gewappnet. Denn auch in Deutschland geht die Entwicklung in Richtung kontaktloses Zahlen.